Zweites Manifest - Tranquilità
Unser Puls schlägt. Willig zur Gefahr, Wechselspiel aus Flucht und Angriff.
Augäpfel schießen von rechts nach links, oben nach unten, Blitze verfolgend.
Die Maschine dröhnt. Der Mensch stöhnt.
Nackte Busen hängen von Balkonen. Flinke Münder geifern im Schlagabtausch. Extremitäten fuchteln.
Wir sind der Menschlichkeit davongerannt, können uns beim Blick in den Spiegel der Vergangenheit nicht mehr erkennen. Was ist Mensch? Der Affe schweigt, der Automat summt.
Es ist alles so lustig.
Warum bist du nicht lustig? Du musst aber lustig sein.
Die rote Nase willst du nicht aufsetzen, so geh zum Psychiater, das ist nicht normal.
Es ist alles bunt. Es ist alles laut. Es gibt kein Entweichen.
Selbst zwischen den Eichen tun Männlein kund hier wird gebaut.
GEGEN PRAGMATIK.
Wir schämen uns,
dass wir den Wohlklang der Sprache verloren.
Scharnieren des Mundwerks 3 Mal täglich ölen, Stimmbänder niemals ohne Aufsicht entfernen, falls Schmutz in Öffnung gerät, mit Aspirin reinigen. Zur sofortigen Wiederaufnahme wird geraten, um keine Zeit zu verlieren und den Denkapparat zu schonen.
Was hast du uns angetan, Marinetti? Du konntest dich noch ausdrücken. Predigtest aber, woran ich leide, ok?
Heilige Information 010001001011100 du hast uns ein schweres Kreuz aufgebürdet, um deine Mission voranzutreiben, du scheust kein Opfer, blutig liegt dein größter Feind, der Genuss, am Boden.
Die Brücken sind geschlagen worden zu allen unbekannten Ufern, nun zivilisiert betretbar.
Die Brücken blinken dir ins Gesicht, mit einem Klick betritt der ungerüstete nackte naive Finger die Welt und meint zu sehen, obwohl er nur ein Finger ist.
Wir schämen uns,
dass wir die stolze Mimik und würdevolle Gestik verloren.
Heiliger Reiz, ZISCHBUMBANGAHOHFIIIIIIIEEETHAHAHA du stopfst den Bauch des Nervs, rund und prall ist er, weiter, weiter wird gestopft, willst ihn nicht verdauen lassen, stopfst ihn weiter bis er platzt.
Wir schämen uns,
dass wir Entspannung brauchen. Wie die Strommaste sich mit Energie bepeitschen, sind wir Rücken gerade, Seele krumm. Wir schämen uns, dass wir eines solchen Wortes bedürfen, das so symptomatisch ist.
Das Schweigen wurde begraben, mit Unbehagen zugedeckt. Lasst die Scham es wieder entdecken, sodass ein Zauber dringt in eure verdorbenen Zimmer.
Zeigt eure Falten, zeigt, dass ihr noch lachen könnt, ohne dass euch frische Gefühle in die Venen gepumpt werden.
Wir schämen uns,
dass wir hetzen. Gejagte Kaninchen, die bei ihrem Hakenschlagen unvorsichtig werden und auf dem matschig gewordenen Grund ausrutschen.
Erfolg ist keine Konsequenz mehr, nur ein Abzeichen nach bestandenem Zahnradtest.
Worin dreht ihr euch so emsig? Es ist nicht die goldene Uhr des Großvaters auf dem Kamin. Aber es ist euch auch egal, solang nichts still steht.
Alles existiert, um abzulenken.
Alles hat einen Zweck.
Für alles gibt es einen Plan.
Es wird nur noch am Geschlecht gerieben, obgleich der Ellenbogen nach Berührung schreit, er will nicht mehr durch die Menschenschlangen rudern,
küsse den Ellenbogen deines Nachbarn zur Begrüßung.