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Vereinigung mit dem Kosmos

 

Du stehst an einem steilen Hang, einem Klippenvorsprung, den der Wind umtobt. Einzelne Steinchen lösen sich und stürzen in die tosende See. Du selbst stehst unbeweglich und lässt den Sturm an deinem Haare, deinen Kleidern reißen. Deine Füße graben sich tiefer in die lockere, feuchte Erde und verschaffen dir einen festen Stand. Du lächelst, hebst langsam die Arme, bis du dort stehst, erhaben, wie eine lodernde Fackel und du schreist. Du schreist so laut, wie du noch nie geschrieen hast und in diesem Moment bist du ein Teil der Naturgewalten, die über dein Leben richten und spürst ihre Macht durch deine Adern pulsieren.
Wenn der Schrei verklingt und die Welt stehen zu bleiben scheint, bemerkst du wie der Sand deinen Füßen weicht. Du verlierst den Halt. Deine Hände greifen in den Wind, versuchen sich festzukrallen, rutschen ab. Die See kocht. Übermütig schlagen weiße Wellen aus. Der Wind ist das Medium, das die Nässe zu dir empor trägt. Langsam schwindet die Zugehörigkeit. Die Klippen spielen ein Spiel mit dir. Von vorne gezogen, von hinten bedrängt, lockt das Schauspiel dich in die Tiefe. Du schließt die Augen und lässt dich treiben.
Dein Verstand hat dich bereits verlassen, doch erst jetzt beginnt dein Körper, der sich dein ganzes Leben lang von ihm hat leiten und bestimmen lassen, seine neugewonnene Unabhängigkeit anzunehmen. Mit all deinen Sinnen erfährst du nun uneingeschränkt die Kräfte, die dich umgeben. Es macht dabei keinen Unterschied, welcher deiner 6 Sinne angesprochen wird, denn dein Körper führt es zu einem Ganzen, Vollkommenen zusammen. Und du fühlst die Freiheit, die dir Gewissheit gibt, dass die Reaktion deines Körpers richtig ist.
Du wagst den Schritt, denn du kannst nicht gebändigt werden, Seele, Geist, Körper verschmelzen in einem Farbton aus leuchtenden Facetten, die durch die äußere Schale hinaus blenden. Der Schein trägt dich. Du wanderst. Schreitest. Fließt. Du stehst vor der Klippe, unter dir die See, bloß schäumend, bezwungen durch deine Macht, über dir ein nicht enden wollender Himmel, dessen Fülle du aber erfassen kannst.

Du bist ein Blatt im Wind.

Last update: 09.06.08 13:45 - © Cora Rok - Imprint / Impressum - Disclaimer

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